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Magnetisierung

Magnetismus-Lexikon

Magnetisierung – Arten, Richtung und Bedeutung für Magnete

Magnetisierung beschreibt die Ausrichtung der magnetischen Domänen (Weiss-Bezirke) in einem Werkstoff zu einem gemeinsamen Feld. Bei Permanentmagneten wird sie durch einen starken Magnetisierungsimpuls erzeugt und in eine feste Richtung gebracht – axial, diametral, radial oder mehrpolig. Die Magnetisierung bestimmt Lage der Pole, Feldstärke, Haftkraft und Einsatzgebiet eines Magneten.

Was ist Magnetisierung?

Ferromagnetische Werkstoffe wie NdFeB bestehen aus vielen mikroskopisch kleinen Bereichen, den Weiss-Bezirken. Im unmagnetisierten Zustand zeigen diese Domänen in zufällige Richtungen und heben sich nach außen auf – der Werkstoff wirkt magnetisch neutral.

Wirkt ein ausreichend starkes äußeres Feld ein, richten sich die Domänen aus. Ist die Sättigung erreicht, zeigen praktisch alle in dieselbe Richtung. Nach dem Abschalten des Feldes bleibt bei Permanentmagneten ein Teil dieser Ausrichtung dauerhaft erhalten – die sogenannte Remanenz (Br). Sie ist das messbare Maß für die „eingefrorene“ Magnetisierung und ein zentraler Kennwert für die Stärke eines Magneten.

Arten der Magnetisierung (Magnetisierungsrichtung)

Die Magnetisierungsrichtung legt fest, wo Nord- und Südpol eines Magneten liegen. Sie wird bei der Herstellung durch das Werkzeug bestimmt und lässt sich später nicht mehr verändern. Diese vier Grundtypen kommen am häufigsten vor:

Axiale Magnetisierung N S

Axiale Magnetisierung

Magnetisiert entlang der Höhe bzw. Dicke. Die Pole liegen auf den beiden flachen Stirnflächen.

Typisch: Scheiben-, Quader- und Stabmagnete, Haftanwendungen, Lautsprecher.

Diametrale Magnetisierung N S

Diametrale Magnetisierung

Magnetisiert quer durch den Durchmesser. Die Pole liegen an gegenüberliegenden Mantelseiten.

Typisch: Zylinder und Ringe in Rotations-, Winkel- und Positionssensoren.

Radiale Magnetisierung S

Radiale Magnetisierung

Magnetisiert ringförmig vom Zentrum nach außen oder innen. Die Pole liegen am Innen- und Außenmantel.

Typisch: Ringmagnete in Elektromotoren, Rotoren und Encodern.

Mehrpolige Magnetisierung N S N S

Mehrpolige Magnetisierung (Multipol)

Mehrere Nord- und Südpole wechseln sich auf einer Fläche oder am Umfang ab.

Typisch: Encoderringe, Magnetstreifen, Magnetbänder und Rotoren.

Magnetisierungsart Feldrichtung Pole liegen … Typische Form / Anwendung
Axial entlang der Dicke / Höhe auf den beiden Stirnflächen Scheiben, Quader, Stäbe – Haftanwendungen
Diametral quer durch den Durchmesser an gegenüberliegenden Mantelseiten Zylinder, Ringe – Winkel-/Positionssensoren
Radial vom Zentrum nach außen/innen an Innen- und Außenmantel Ringe – Elektromotoren, Encoder
Mehrpolig mehrere N/S auf einer Fläche abwechselnd auf Fläche/Umfang Encoderringe, Magnetstreifen, Rotoren

Technische Daten – Remanenz und Kennwerte

Die Stärke der Magnetisierung eines Permanentmagneten wird über die Remanenz Br beschrieben – die verbleibende Flussdichte ohne äußeres Feld. Je höher Br und das Energieprodukt BHmax, desto stärker der Magnet. Die Koerzitivfeldstärke Hcj gibt an, wie gut die Magnetisierung einem Gegenfeld standhält. Die folgenden Werte gelten für gesintertes Neodym (NdFeB).

Güte Remanenz Br (T) BHmax (kJ/m³ · MGOe) Koerzitiv Hcj (kA/m) Max. Betriebstemp.*
N35 1,17–1,22 263–287 · 33–35 ≥ 955 80 °C
N38 1,22–1,26 287–310 · 36–38 ≥ 955 80 °C
N42 1,29–1,32 318–342 · 40–42 ≥ 955 80 °C
N45 1,32–1,37 342–366 · 43–45 ≥ 955 80 °C
N48 1,37–1,42 366–390 · 46–48 ≥ 876 80 °C
N52 1,43–1,48 380–422 · 48–52 ≥ 876 80 °C

*Standard-Temperaturklasse „N“. Höhere Klassen erhöhen die zulässige Betriebstemperatur (M ≈ 100 °C, H ≈ 120 °C, SH ≈ 150 °C, UH ≈ 180 °C, EH ≈ 200 °C, AH ≈ 230 °C; Suffix hinter der Güte, z. B. N42SH). Alle Angaben sind Richtwerte – bitte gegen das jeweilige Lieferanten-Datenblatt prüfen. Details in unseren magnetischen Kennwerten & physikalischen Magnetdaten.

Wie werden Magnete magnetisiert?

Permanentmagnete werden in der Regel per Impulsmagnetisierung aufmagnetisiert: Eine Magnetisierspule erzeugt ein sehr starkes, kurzes Feld, das oberhalb der Sättigungsfeldstärke des Werkstoffs liegt. Die Geometrie der Spule bzw. der Vorrichtung legt dabei die Magnetisierungsrichtung fest – axial, diametral oder mehrpolig.

Gesintertes NdFeB wird vor dem Pressen zunächst in einem Ausrichtfeld orientiert und erst nach der mechanischen Bearbeitung und Beschichtung endmagnetisiert. Weil die Richtung im Werkzeug bestimmt wird, ist sie fester Bestandteil der Spezifikation und lässt sich nachträglich praktisch nicht ändern. Sonderformen und spezielle Magnetisierungen fertigen wir auf Anfrage.

Was beeinflusst die Magnetisierung?

Die Magnetisierung ist dauerhaft, aber nicht unzerstörbar. Vier Faktoren können sie schwächen oder aufheben – bei richtiger Auslegung lässt sich das zuverlässig vermeiden:

Temperatur

Beim Erwärmen sinkt die Remanenz reversibel um ca. −0,12 %/°C. Oberhalb der max. Betriebstemperatur treten irreversible Verluste auf; ab der Curie-Temperatur (NdFeB ≈ 310–340 °C) verschwindet die Magnetisierung vollständig.

Gegenfelder

Ein starkes entgegengesetztes Feld oberhalb der Koerzitivfeldstärke Hcj entmagnetisiert den Magneten. Hcj sinkt mit steigender Temperatur um ca. −0,5 bis −0,6 %/°C.

Betriebspunkt & Luftspalt

Flache Magnete mit großem Luftspalt arbeiten näher am Kniepunkt der Entmagnetisierungskurve und reagieren empfindlicher auf Hitze und Gegenfelder als kompakte Geometrien.

Mechanische Belastung

Neodym ist hart und spröde. Schläge, Absplittern oder Bruch beschädigen den Magneten und die Beschichtung; die Korrosionsschicht schützt zusätzlich vor irreversiblen Verlusten.

Praxis-Tipp: Passende Güte und Temperaturklasse wählen, den Luftspalt klein halten und die Spezifikation beachten. Sicherheits- und Handhabungshinweise findest du in unseren Sicherheitshinweisen, die reale Haftkraft ermittelst du mit dem Haftkraftrechner.

Anwendungen der Magnetisierung

Die gewählte Magnetisierungsrichtung entscheidet über die Funktion – von einfacher Haftkraft bis zur präzisen Signalgebung in Sensoren.

Elektronik

Elektromotoren, Sensoren und Lautsprecher nutzen gezielte Magnetisierung für Antrieb und Signalwandlung.

Meist: radial & mehrpolig

Industrie & Maschinenbau

Automatisierung, Greifer, Magnetkupplungen und Spannsysteme setzen auf definierte Pole und hohe Haftkraft.

Meist: axial

Medizintechnik

Präzise, oft mehrpolige Magnetsysteme für Instrumente, Verschlüsse und Positionierung.

Meist: mehrpolig

Mess- & Sensortechnik

Encoder, Winkel- und Positionsgeber arbeiten mit diametraler oder mehrpoliger Magnetisierung.

Meist: diametral

Häufige Fragen zur Magnetisierung

Was bedeutet Magnetisierung bei einem Magneten?
Magnetisierung bezeichnet die Ausrichtung der magnetischen Domänen in einem Werkstoff zu einem gemeinsamen Feld. Bei einem Permanentmagneten bleibt diese Ausrichtung dauerhaft erhalten und bestimmt die Lage der Pole, die Feldstärke und die Haftkraft.
Welche Magnetisierungsrichtungen gibt es?
Die häufigsten Richtungen sind axial (entlang der Dicke), diametral (quer durch den Durchmesser), radial (ringförmig nach außen oder innen) und mehrpolig (mehrere abwechselnde Nord- und Südpole auf einer Fläche).
Was ist der Unterschied zwischen axialer und diametraler Magnetisierung?
Bei axialer Magnetisierung liegen Nord- und Südpol auf den beiden Stirnflächen, also entlang der Höhe. Bei diametraler Magnetisierung liegen sie an gegenüberliegenden Mantelseiten, also quer durch den Durchmesser.
Kann man die Magnetisierungsrichtung nachträglich ändern?
In der Praxis nein. Die Richtung wird bei der Herstellung durch das Magnetisierwerkzeug festgelegt und ist Teil der Spezifikation. Sie sollte deshalb schon bei der Bestellung bzw. Sonderanfertigung definiert werden.
Warum verliert ein Magnet seine Magnetisierung?
Hauptursachen sind zu hohe Temperaturen oberhalb der maximalen Betriebstemperatur, starke entgegengesetzte Magnetfelder oberhalb der Koerzitivfeldstärke sowie in geringerem Maße mechanische Beschädigung. Oberhalb der Curie-Temperatur geht die Magnetisierung vollständig verloren.
Wie stark ist ein Neodym-Magnet magnetisiert?
Die Stärke wird über die Remanenz Br angegeben. Bei gängigen Neodym-Güten liegt sie als Richtwert zwischen etwa 1,17 T (N35) und 1,48 T (N52). Höhere Güten bedeuten eine stärkere Magnetisierung.
Wie erkenne ich die Magnetisierungsrichtung eines Magneten?
Mit einem zweiten Magneten oder einem Polfinder lässt sich prüfen, wo sich Nord- und Südpol anziehen bzw. abstoßen. Zuverlässig ist die Angabe im Datenblatt bzw. in der Artikelbeschreibung, da die Richtung bei der Fertigung festgelegt wird.

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